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Am Donnertag, dem 12.
November 2009, wird im Gasthaus TRAUBE in Rohrbach ein Vortragsabend
stattfinden. Zusammenkunft: 18 Uhr. Vortragsbeginn: 19 Uhr.
Die Räuberbanden im Hunsrück und Odenwald
Zinken und Mäuse
Wenn man einem
Freund unter vier Augen erzählt, dass man Pläne für eine größere Anschaffung
hat, fragt der vielleicht "Hast Du denn genug Mäuse (Mäuse = Geld) dafür ?" und
hat wohl keine Ahnung, dass er einen Begriff verwendet, der aus der
Gaunersprache des 18. und 19. Jhd. kommt und besonders bei den Räuberbanden des
Schinderhannes aus der Gegend des Hunsrück und denen des Hölzerlips im Odenwald
gesprochen wurde. Weitere Begriffe wie Kaff (für ein Dorf) oder "pennen,
spachteln und schnorren“ gehören
dazu.
Mit diesem
Themenkreis, dem Leben der Räuberbanden, den Verhältnissen der damaligen Zeit,
den Raubüberfällen, den Verhaftungen, Prozessen und Hinrichtungen befassen sich
zwei Vortragsabende, die beim Heidelberger Odenwaldklub am 12.11, und 10.12.,
jeweils Donnerstags um 19 Uhr im Vereinslokal Traube in der Rathausstraße in
Rohrbach, stattfinden.
Wer sich mit
diesem Thema befasst, darf allerdings keine pauschale Verurteilung der Räuber
der damaligen Zeit für richtig erachten.
Im Zeitraum von
etwa 1789 - 1815 bestand das Deutsche Reich aus über 300 Kleinstaaten, die alle
ein eigenständiges Rechtssystem hatten. Wer da durch Armut, Krankheit,
Arbeitslosigkeit und andere Widrigkeiten aus der Bahn geworfen wurde, galt
schnell als "Rechtloser", als "vogelfrei und als Verbrecher. Diese Menschen
waren oftmals bei bitterster Armut und Hunger gezwungen, jede Möglichkeit zu
ergreifen, um zu überleben. Das soll die Untaten dieser Menschen nicht
entschuldigen, wirft aber ein bezeichnendes Licht auf die Umstände, die dazu
führten.
Interessant
ist, wie die Einzelnen sich zu Banden zusammen schlossen, wie sie lebten, wie
ihr Verhältnis untereinander war, welche Regeln sie sich gaben, ihre Tricks bei
Raubüberfällen, ihre Sprache und Zeichen und vieles mehr.
Wir erinnern uns
vielleicht noch daran, dass in der Nachkriegszeit oft an Hauseingängen
Kreidezeichen zu sehen waren, die den Hausierern und Bettlern Hinweise gaben,
wie man sich in diesem Haus zu verhalten habe. Auch das ist ein Relikt aus der
früheren Gaunerzeit. (=Zinken)
All dies und
vieles mehr entnehmen wir einem Werk, das der Stadtdirektor Pfister aus
Heidelberg (oberstes Polizeiorgan und zuständig für die Bekämpfung des
Räuberunwesens, der Verfolgung, Verhaftung, Verurteilung und Hinrichtung)
verfasst hat und in dem auch nachzulesen ist, wie mit den Deliquenten (Räubern)
nach ihrer Verhaftung zu verfahren sei. Desgleichen, wie die Prozesse,
Verurteilungen und Hinrichtungen durchzuführen seien.
1812 erschien
dieses Buch und ein Anhangheft, in dem Pfister bis ins Kleinste alles
wiedergegeben hat, was damals passiert ist.
Auch alle
Raubüberfälle, nach den Geständnissen, werden genau aufgezeichnet. Pfister sah
wohl seine Lebensaufgabe darin, alles festzuhalten, auch festzustellen, wie ihre
geistige Verfassung und ihr Verständnis für das Rechtswesen war. Auch ihre
letzten Gedanken und Worte vor der Hinrichtung hielt er fest.
Besonders
interessant ist das genaue Gerichtsprotokoll, aus dem wir ersehen können, wie
die Prozesse abliefen und wie es zur Verurteilung und Hinrichtung kam. Am
zweiten Vortragsabend wird aus diesem Protokoll vorgelesen.
Am ersten
Vortragsabend wird die Geschichte des Räuberhauptmannes Schinderhannes und
seiner Spießgesellen behandelt, für die es eigene Quellen gibt.
Zu beiden
Vorträgen sind Gäste herzlich willkommen
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